Mongolei | 11. – 16.07.2011


Mongolei 12. – 16. Juli 2011
Leider hatten wir keine so gute letzte Nacht in Irkutsk. Unser Versuch früh ins Bett zu gehen scheiterte daran, dass Adrian eine Kopfweh-Attacke hatte und ich nicht müde war. Irgend wann fanden wir dann doch den Schlaf, doch um Mitternacht klingelte das Telefon. Beide dachten, dass wir verschlafen haben und wir unseren Zug verpasst haben. Doch am anderen Ende war niemand zu hören. Anschliessend reimte ich mir natürlich alle Gruselschichten zusammen. So, dass ich echt Angst bekam. Drei Stunden später weckte uns unser Wecker. Erneut stieg die Spannung; mit wem teilen wir das Abteil, was für ein Zug ist es? Diese zwei Fragen waren schnell geklärt. Das Abteil teilten wir mit einem jungen Päärchen aus Schweden und der Zug war ein alter russicher (so wie er im Buche steht). Wir durften uns doch glücklich schätzen, dass wir für die viertägige Zugreise die Luxusvariante hatten. So konnten wir sehr gut für eine Nacht mit diesem alten Model leben. Da die beiden noch nach Moskauerzeit lebten, hatten sie bis um 5 uhr morgens noch nicht geschlafen. So machten wir uns nochmals Bett fertig und schliefen noch einige Stunden.
Die Zugfahrt war wenig spektaktulär. Doch die Landschaft wurde langsam abwechlungsreicher und interessanter. Bei der russischen Grenze mussten wir 3 Stunden warten (wovon wir 2h aussteigen durften) , darfür ging es dann bei der Einreise in die Mongolei relativ schnell (nur 1 Stunde). Die Vorfreude auf die Mongolei war ohnehin schon gross und die Landschaft lies uns gutes verheissen. Der einzige Knackpunkt wird wohl das Essen sein. So heisst es, sind folgende Nahrungsmittel typisch für die Mongolei: Ziege, Schaf, Fettsteiss des Fettschwanzschaf und als besondere Delikatesse fettes Murmeltierfleisch (leer Schluck). Für mich wird das eine grosse Herausforderung und ich werde vermutlich in Scham versinken… Aber mal abwarten, hoffen und beten oder vielleicht hilft mir der Scharmane weiter? 🙂
Nach einer weiteren durchzogenen Nacht erreichten wir Ulan Bator. Wie immer klappte der Transfer perfekt und so errichten wir unser Jurten Camp im Gorchi Tereldsh Nationalpark (auch als Terelj oder die Mongolische Schweiz bekannt) bereits um 8 Uhr morgens. Das Camp liegt ca. 80Km von Ulan Bator entfernt.
Schon bei der Fahrt ins Camp waren wir von der wunderschönen, unbeschreiblichen Natur fasziniert. Traumhaft! Wir richteten unsere Jurte mit der Nummer 20 kurz ein und machten einen kleinen Erkundungsrundgang. Da es stark windete war es teilweise extrem kalt und wir waren froh um unseren warmen Mammut Fliespullover. Um die Schönheit dieser Natur zu beschreiben gibt es wirklich kaum Worte. So weit das Auge reicht, grüne Hügel (Steppe halt) mit vereinzelten Jurten und Tierherden. Und der Himmel scheint ist viel kräftiger blau zu sein als bei uns. Echt Hammer!
Auf unserem Rundgang wurden wir teilweise von zwei Hunden begleitet. Ah, war ich froh, als sie weiterzogen. Sympathisch sieht definitiv anders aus. Als wir auf einem Felsen kurz eine Pause machten, haben die beiden unseren Weg nachgeschnüffelt und kamen direkt auf uns zu. Da wir es uns zuvorderst auf dem Fels gemütlich gemacht haben, waren wir in der Sackgasse. Doch Adi behielt wie immer die Ruhe und streichelte sie sogar, wärend ich vor Angst wirklich den Zitteri bekam… Aber offensichtlich haben wir es überlebt :-). Als wir wieder zurück in der Jurte waren, genossen wir die warmen Sonnerstrahlen und faulenzten bis zum Mittagessen. Zum Zmittag gabs Salat, Suppe, Teigtaschen mit Hammelfleisch (Schaf) und zum Dessert Rosinensaft mit Rosinen (anscheinend gut fürs Herz). Adrian hat das Essen in vollen zügen genossen. Bei mir ging es eigentlich recht gut, ich habe mir einfach eingebildet, dass es Rind ist. Aber als ich fragte, was für Fleisch es ist, sagte sie Schaf und dumerweise sprach sie noch von Fettteilen, und genau in diesem Moment knirschte es zwischen den Zähnen, so dass mir dann der Appetit vergangen war. Aber ich bin total stolz, dass ich über die Hälfte gegessen habe :-)) Die erste von 6 Mahlzeiten hatte unsere Erwartungen komplett übertroffen.
Am Nachmittag machten wir mit unserem Guide Ninjee, die uns drei Tage begleiten wird, eine Wanderung um einen Hügel herum. Adrian merkt schnell, dass unsere Führerin nicht gross Ahnung hatte, wo sie hin will. Daher übernahm er das Ruder und lenkte uns über die Hügel wieder nach Hause. Zum Verdauen war diese Wanderung genau das Richtige. Danach genossen wir noch einmal die Sonne bevor wir uns eine Dursche gönnten. Adrian hatte Pech und musste kalt duschen, da das warme Wasser irgendwie versagte (oder ich bereits zu viel warmes Wasser gebraucht hatte).
Zum Znacht gabe es Salat, Glasnudeln mit Gemüse und Hammelfleisch und Schafqark. Auch dieses Essen war extrem lecker (bis auf das Quark, das schäfelte) und wir freuten und nun auf eine schöne, kalte Nacht.
Da wir auf eine saukalte Nacht eingestellt waren, wollten wir eigentlich das Bett teilen, doch schon nach einigen Minuten merkten wir, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit ist, da das Bett extrem hart ist und wir uns so mehrfach drehen müssen, dass Bett aber nur ca. 80cm breit ist. Und da Adrian auf dem Rücken schläft, hatte nicht mal mein ganzer Oberschenkel mehr platz. Aber zum Glück wurde so gegen 21:30 das Feuer in unserer Hüte angezündet, so dass es innert wenigen Minuten extrem warm wurde. Bis auf das trägerlose T-Shirt konnte ich nun all meine 10 Schichten abziehen. Und so lies es sich auch gut schlafen. In der Nacht musste ich dann aber wieder Schicht für Schicht anziehen, bis ich es um ca. 4 Uhr morgens nicht mehr aushielt. Auch Adrian war wach vor Kälte (er hätte aber mit seiner Boxer-Shorts und T-Shirt noch grosses Potential gehabt sich wärmer anzuziehen). Da ich vor Kälte nicht mal mehr aufstehen konnte, musste Adrian ein neues Feuer anmachen. Leider hält das Feuer im Ofen nur ca. 30Min und heizt für ca. 2 Stunden. Unsere letzten paar Schietli verheizten wir dann noch um 6.30. Wir hoffen wir kriegen auch die nächsten beide Nächte so viel Holz, dass wir selber Feuer machen können.

13. Juli
Nach einem sehr reichhaltigem Frühstück begaben wir uns zu den Pferden, welche für uns bereit gestellt wurden. Unser Guide hatte in ihrer übergrossen Handtasche das Mittagessen mitgenommen. Wir fragen uns noch, wie sie das auf das Pferd nehmen wird, und boten ihr an, es in unseren Rucksack zu tun. Doch dies wollte sie nicht, den sie gebe die Tasche dem Pferdeguide, der ebenfalls mitkommen wird. Und so kam es dann, dass der Arme noch 10min nach einem Rucksack suchen musste. Wir fragen uns, ob unser Guide dies zum 1. mal macht, dass war ja sogar uns als Reitbanausen klar, dass dies nicht geht…. Anyway, als dann alle vier bereit waren, starteten wir in einem gemählichen Tempo. Zum Glück hielt der Guide unsere Pferde an der Schnurr, denn wir wurden nur spährlich instruiert, wie wir das Pferd zu steuern geschweige den zu stoppen haben. Als wir dann in einem grossen Tal waren, konnten wir mal selber probieren, aber beide unsere Pferde machten keinen Schritt :-). Da dieser 1. Versuch in die Hose ging, nahmen uns die Guides wieder an die Leine. Nach gut eineinhalb Stunden erreichten wir den Schildkrot-Fels (Symbol für langes Leben). Da gerade Nationalfeiertag war heute, trafen sich dort viele Städter, die einen Tagesausflug machten. Nach einer kurzen Pause (unsere Pos verdankten es uns) ritten wir noch ein Stücken weiter, um dann an einem schönen abgelegen Ort unser Mittagessen einzunehmen. Die Stechmücken freuten sich über unseren Besuch 🙂
Nach dem Mittagessen klappte es dann auch mit dem selber reiten, zumindest bis zum nächsten Halt. Den bei diesem Foto-Halt, blieb mein Pferd nicht einfach stehen, sondern spazierte noch weiter und nur ganz knapp unter einem Baum durch. Zum Glück kam der Guide zur Hilfe. Ahhh, ich glaube die Pferde werden nie meine Freunde :-). Der Halt hat sich aber gehlohnt, denn wir konnten Yaks beobachten, die sich gerade in einem Tümpel vergnügten. Auf dem Heimweg fand Adrian auf einmal Freude am reiten und erhöhte die Geschwindigkeit und galoppierte sogar für ganz kurze Zeit :-). Meine Geschwindigkeit hatte sich auch erhöht, aber zum guten Glück war ich an der Leine. Ich hatte nämlich nicht das Gefühlt gehabt, dass ich das Pferd unter Kontrolle bringen könnte. Bei diesem Tempo waren wir relativ schnell wieder zu Hause und wir waren froh, dass wir heil wieder Boden unter den Füssen hatten. Morgen werden wir nochmals einen Pferdetrip machen, wir sind gepsannt welche Muskeln wir morgen spühren werden :-). Adrian kann im Moment nicht mal mehr auf die Steinplatte sitzen (sein Popo schmerzt so :-)). Den späten Nachmittag verbrachten wir mit Kleiderwaschen (mussten das grosse Lavabo ausnutzen), Bericht schreiben, faulenzen und lesen. Dabei konnten wir noch kleine Murmelikinder beobachten, die sich in unsere Jurte geschlichen haben. Zum Nachtessen gab es natürlich erneut Schaffleisch. Ich muss gestehen, es schmekte nicht schlecht, aber irgendwie habe ich einfach eine Blockade im Kopf beim Schaffleisch. Was ich defintiv nicht runter bringe ist Schafkäse und Schafmilch. Aber ich bin dennoch recht stolz auf mich, dass ich wieder etwa die Hälfte der Portion geschafft habe. Obwohl ich mir immer vorstellte Rindfleisch zu essen, war vor meinen Augen immer das stinkende Wollschaf :-). Da es an diesem Abend schon viel Wärmer war, als am Vorabend hofften wir auf eine etwas wärmere Nacht….

14. Juli
… so war es auch. Es war zwar immer noch kalt aber dennoch einige Grad wärmer. Hier in dieser wunderschönen Landschaft sind nun defintiv alle unsere Sinne auf Geniessen eingestellt und es lässt sich sehr gut leben in unserem Reise-Alltag. Körperlich sind wir allerdings extrem strapaziert. Durch die immer durchzogenen Nächte, die harten Better und den Pferderitten bräuchten wir dringend eine Thai-Massage (schade nur, dass wir Thailand nicht besuchen). Aber dennoch sind wir es in vollen Zügen am geniessen.
Der heutige Tag war etwa in gleich wie gestern. Unser Ziel vom heutigen Ausritt war der Fluss. Zuerst einmal hatten wir ca. 1 Stunde Verspätung, weil die Pferde in der Nacht die Weite gesucht haben. So musste unser Guide diese zuerst mal zwei Stunden suchen gehen am morgen.. Offensichtlich hatte sich Adi gestern so gut gemacht, dass er nicht mal mehr eine Leine bekam und er durfte von Anfang an alleine reiten. Ich hingegen hatte keine Wahl und wurde schon zu Beginn an die Leine genommen :-). Es war mir allerdings recht, so musste ich mich nicht gross auf das Pferd konzentrieren sondern konnte die Aussicht geniessen. Adrian bekam richtig Freude am reiten und hatte das Pferd auch langsam im Griff. Als ich dann alleine reiten durfte, setzte das Pferd wieder einen Gang runter und spatzierte im Lamsamschritt vor sich hin. Nur einmal schaffte ich es etwas schneller. Als mein Pferd dann beim Wasserübergang streikte, nahm mich der Guide wieder an die Leine und dann ging es ab die Post. Ich kam richtig ausser Atem :-). Am Schluss gab Adi nochmals Vollgas, es sah von hinten also super aus. Kurz vor unserem Camp sah ich in der Weite zwei Jungs, die so aussahen wie Alwin und Woudy (unsere Abteilmitbewohnter vonMoskau nach Irkutsk). Ich rief ihnen zu, aber sie reagierten erst beim 3. mal. Doch sie erkannten mich nicht, so schrie ich laut zu, dass ich es bin :-). Und dann sprangen sie auf und rennten mir entgegen. Da ich aber das Pferd nicht wirklich anhalten konnte, sagte ich ihnen, dass wir schnell die Pferde nach Hause bringen und wir dann kurz zurück kommen. Es war wirklich ein unerwartetes aber sehr freudiges Wiedersehen. Die beiden wohnen in einem anderen Camp, dass total überbucht war und so mussten sie zu sechst in der Jurte schlafen (sie sahen auch total k.o. aus). Sie kamen dann kurz in unser Camp auf ein Bier und wir konnten unsere Erfahrungen der letzten Tage austauschen. Es war echt lustig.
Das Abendessen war nochmals eine grosse Herausforderung, denn zum ersten mal war der Teller praktisch komplett mit Hammelfleisch gefüllt ohne grosse Beilage… Eigentlich hatte es nicht schlecht geschmeckt, aber eben… habe so viel gegessen wie möglich und nachher durfte ich nochmals etwas Hörnlisalat haben, den es zur Vorspeise gab. Das Personal hier ist 1. Klasse. Alle Einheimische, denen wir begegnet sind, sind super freundlich und vorallem sehr gastfreundlich. Unsere Erwartungen an die Mongolei war sehr hoch. Die Erwartungen wurden aber bei weitem übertroffen. Echt Klasse! Und wir hoffen, wir dürfen noch einmal hier her zurück kommen irgendwann in unserem Leben. Uns fehlen wirklich ein bisschen die Worte. So geniessen wir heute Abend den letzten in der mongolischen Steppe bevor wir dann morgen noch eine Nacht in der Hauptstadt Ulan-Bator haben. Die Stimmung beim Reisebericht schreiben ist der folgende: Wir sitzen bei noch angenehmen Temperaturen vor unserer Jurte. Langsam ist es dunkel geworden und eigentlich warten wir auf den Mond und die Sterne. Doch heute wird wohl nichts damit, da es etwas bewölkt ist. Die Luft gleicht unserer Bergluft und es riecht nach frischen Blumen und Gräser. Die Einheimischen spielen noch Fussball so sind neben dem Kuhgebrüll, Pferdewiehern und Hundegebell jeweils der Torjubel zu hören. Da die Stechmücken extrem aggressiv sind und sogar durch die Kleider stechen (zumindest bei mir – Adrian sitzt mit seinem T-Shirt da und bekommt kein Stich ab), machen wir uns nun langsam zu Bett. Feuern unser Ofen an, und geniessen die letzte Nacht an diesem schönen Ort.

15. Juli
Obwohl es erneut einige Grade wärmer war, musste ich um 2 Uhr morgens das Feuer anmachen. Es war mir zu kalt. Aber irgendwie war es anderes Holz, denn das Feuer brannte doppelt so lang und es entstand eine Art Sauna in unserer Jurte. Nach einer Stunde schwitzen kühlte es dann endlich etwas ab und wir konnten weiter schlafen.
Der Abschied viel uns sehr schwer. Gerne wären wir noch einige Tage länger geblieben. Doch wie auch die mongolischen Nomaden müssen wir weiter ziehen. Unser Kellner, der uns in den letzten Tagen super bedient hat, stand auch noch bereit um bye bye zu sagen. Ahhh, mein Herz tat schon ein bisschen weh. Und mein Glaube an das Sprichwort mit dem Lächeln ist wieder zurück gekommen. Dank Ninjee, die auch jeweils mit uns gegessen hat, konnten wir viel über die mongolische Kultur lernen. Ich bin sicher, wir waren nicht zum letzten Mal in der Mongolei (steht schon wieder auf meiner Liste – die aber unendlich lang ist :-)). Nach 1.5 Stunden Fahrt nach Ulan-Bator sind wir wieder in der Realität angekommen. Nach Bezug des Hotelzimmers schlenderten wir noch etwas durch die Strassen. Doch die Hitze war kaum zum aushalten. Da meine Füsse langsam kochten, musste ich kurz im Adidas-Shop leichtere Ballerinas kaufen. Adi behielt natürlich recht, dass ich bevor wir im Hotel sind, Blattern haben werde. Aber es tat gut aus diesen Socken zu kommen. So (also wegen der Hitze und nicht wegen den Blattern :-)) kehrten wir dann am frühen Abend wieder zurück ins Hotel und versuchen nun die Homepage upzudaten. Doch mit dieser Internetverbindung ist es nicht so einfach…..
Nächster Stop wird Peking sein, wo wir am Sonntag angkommen werden….. Also bis dann….

Anzahl Reisetage: 6

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