Reise mit der Hatsu Crystal über den Pazifik | 29.07. – 16.8.2011


Frachtschiff-Tagebuch 29. Juni – 15. August
Damit ihr euch unseren „Berichterstattungsort“ etwas genauer vorstellen könnt, probiere ich mal die Umgebung zu beschreiben: Ich sitze an einem Riesengrossen Pult (länger als zu Hause), wenn ich meinen Kopf ein bisschen recke, sehe ich aus dem Bullauge den Horizont. Durch das Schaukeln sehe ich mal ein bisschen mehr Wasser, mal ein bisschen weniger :-). An das leise Geräusch des Motors, das ständig hörbar ist, haben wir uns bereits gewöhnt. Im Moment scheint noch die Sonne, doch wir haben vom Kapitän gelernt, dass wir bald nur noch Nebel sehen werden und die Aussentemperatur auf 9 Grad abkühlt…Irgendwie waren wir auf zwei Wochen Sonnenschein eingestellt (schlecht vorbereitet würde ich mal sagen :-)).Wir sind nun schon 48 Stunden auf dem Schiff, aber erst gerade mal 9 Stunden davon gefahren….
Aber mal der Reihe nach :-). Abgesehen von der Verspätung hat der Transfer vom Hotel zum Schiff wunderbar geklappt. Auch die komplizierte Hafenregistrierung hat der Fahrer übernommen und wir wurden direkt vor unserem Schiff, der Hatsu Crystal, abgeladen. Das rege Treiben auf dem Hafengelände hat uns sofort fasziniert. Und als wir unser riesengrosses Schiff gesehen haben…. Eieiei, der Respekt war auf alle Fälle da. Schwerbeladen machten wir uns zur steilen Gangway (Treppe zum Schiff). Da diese so steil war, mussten wir uns richtig mit den Händen am Geländer hochziehen (nur dumm, dass ich fast nich hoch kam, weil dieses so hoch war repsktive ich so klein ;-)). Da es in unseren Reiseunterlagen geheissen hat, dass die Crew im Hafen keine Zeit hat, um sich um die Passagiere zu kümmern, erwarteten wir eigentlich nicht viel vom „Empfang“. Doch da wurden wir schon zum 1. Mal positiv überrascht. Herzlich wurden wir vom ersten Seemann begrüsst und zum Kapitän gebracht. Kapitän Schneider hatte nur kurz unsere Pässe eingezogen und dann wurden wir vom 1. Offizier zu unserer Kabine gebracht. Im Moment fehlt uns der Überblick der Hirarchie noch ein wenig. Es heisst nur immer, beim Problem X melden sie sich zum Beispiel beim 2. Offizier. Aber ich bin sicher, wir werden es noch lernen 🙂
Unsere Kabine ist etwa 50m2 gross, aufgeteilt in drei Räume: eine Art Vorzimmer mit Fernseher, Stereoanlage, Pult und Sofa, dann das Schlafzimmer mit Kasten und grossem Doppelbett 🙂 und ein separates Badezimmer mit Dusche und WC. Wir können hier also die nächsten zwei Wochen sehr luxueriös leben. Natürlich hielt es Adrian keine zwei Minuten in der Kabine aus, da mussten wir bereits auf einen kleinen Rundgang. Da wir noch keine Informationen erhalten hatten, was wir dürfen und was nicht, wagten wir uns nur sehr vorsichtig von Tür zu Tür. Aber wir hatten so schon mal den Fittnessraum und den Swimmingpool gesehen :-). Wobei die Geräte laden einem nicht unbedingt ein, um Fitness zu treiben. Und der Pool, so haben wir später in Erfahrung gebracht, wird nicht sehr oft mit Wasser gefüllt, weil er mit Meerwasser gefüllt wird, welches gerade mal 10°C hat, und somit eh zu kalt ist. Nach dem Rundgang war es bereits Lunch-Time. Die Zeiten für die Mahlzeit müssen eingehalten werden, was mir vorallem beim Morgenessen Mühe bereitet :-). So ist Morgenessen von 7.30 – 8.30 / Mittagessen von 11:50-12:50 und Nachtessen von 17:30-18:00. Beim Mittagessen lernten wir noch die beiden weiteren Passagiere kennen. Sie sind auch beide Schweizer (Sabrina, 27 aus St. Gallen und Markus, 46 aus Wettingen). Sabrina kam uns gleich bekannt vor, den sie war im gleichen Hotel wie wir in Hong Kong, aber natürlich hatte uns das niemand gesagt, so hatten wir zwei verschiedene Transfers… Zum Mittagessen gab es Fisch (was für ein Einstieg). Aber ich konnte problemlos sagen, dass ich nur die Beilagen möchte und dies war mehr als genug. Und es war sehr lecker. Spätestens ab dem Abendessen wusste ich, dass ich sehr gut überleben werde in den nächsten zwei Wochen, denn es gab Spaghetti Carbonara 🙂 yummi, yummi. Für die Mahlzeiten hat es zwei verschiedene Räume; einer für den Kapitän und die Offiziere (wo auch wir Essen durften) und einen Raum für die Philippiner. Zuerst dachten wir, dass es schade ist, denn so herrscht eine gewisse 2 Klassen Gesellschaft. Aber der Kapitän hat uns informiert, dass die Philippiner gerne ihr eigenes Essen haben und gerne unter sich sind. Die Crew besteht aus Deutschen und Philippinern.
Beim Abendessen sind wir dann zum ersten mal in ein Fettnäpfchen getreten. Denn, wie es bei uns üblich ist, sassen wir vier Passagiere nach dem Abendessen noch etwas länger sitzen und quatschten. Am nächsten Morgen hat dann der Kapitän gesagt, dass der Steward bei ihm reklamiert hat, weil er wegen uns Überstunden machen musste. Es ist nun so, dass der Steward um 18.30 Feierabend hat und weil wir noch gesessen sind, hat er sich nicht getraut Feierabend zu machen. Aber das konnten wir ja nicht wissen… Aber wir lernen ja schnell und so wird es nicht mehr vorkommen.
Um etwa 17 Uhr am 29.6 wurde es dann interessant. Das Schiff war mit wenig Fracht ablegebereit. Schon krass, wie ein kleines Minischiff den grossen Frachter in Bewegung setzen kann. Als wir die richtige Fahrtrichtung erreicht haben, zog das kleine Schiff seine Schnurr ein und unser Schifff setzte sich mit eigener Kraft in Bewegung. Nach gut 5 Stunden fahrt (den Taifun haben wir zum Glück nicht mehr gestreift), kamen wir im Hafen von Shenzhen an. Kaum eingetroffen, fing das abladen aber auch gleichzeitig das beladen der Container wieder an. Unglaublich was da für eine Logistik dahinter steckt. Das kann man sich kaum vorstellen. Auch wenn man das Gefühl hat, dass keine Logik dahinter steckt, hat anscheinend jeder Container seinen genauen Standplatz vordefiniert. Nach 32 Stunden im Hafen war das Schiff mit 7100 Containern fertig beladen und wir starteten nun um 6 Uhr morgens (am 31.6) die Fahrt über den Nordpazifik. Da wir aber noch mitten im Schlaf waren, haben wir das Auslaufen verpasst. Am Vorabend war noch Matrosenabend und wir wurden auf einen Karaokeabend eingeladen. Ein Deutscher und ein Philippiner hatten eine super Stimme und sangen Lied um Lied. Die Messlatte war sehr hoch gesteckt. Und da ich Adrian mal versprochen hatte, dass ich nie in der Öffentlichkeit singen werde, weil ich so scheisse singe, habe ich natürlich mein versprechen gehalten :-). Die andren drei versuchten es mal und es war gar nicht mal so übel. Aber auch bei den beiden Superstars nahm das Niveau nach jedem Bier ab :-). Es war ein schöner, lustiger Abend und wir kamen mal mit den Philippinern in Kontakt.
Heute ist schon der 2. August. Ihr sieht ich komme überhaupt nicht nach mit Bericht schreiben. In den ersten vier Tagen habe ich nach jeder Mahlzeit mal 2-3 Stunden geschlafen. Und dann war es bereits wieder Zeit für die nächste Mahlzeit. Ich bin in allem hinter her, was ich mir vorgenommen habe und ich habe bereits Angst, dass ich nicht mal Zeit habe, mein Buch fertig zu lesen. Aber ich hoffe, jetzt bin ich ausgeschlafen und kann mich meinen vorgenommenen Aktivitäten widmen :-). In Hong Kong habe ich noch ein Englisch Grammatik Heft gekauft, damit mein Hirn wieder mal repetieren kann. Doch leider ohne Lösungen wie ich bemerkt habe, was mich jetzt ziemlich nervt. Hoffe, ich kann in Amerika noch das Lösungsheft dazu besorgen….
Ja, ansonsten ist der Alltag hier sehr schön. Einfach in den Tag hinein leben und gerade machen wozu man Lust hat. Viel Essen, viel erholen und wenig körperliche Angstrengung. Das beste ist, dass man nicht das Gefühl hat, ständig rausgehen zu müssen, um noch dies und das zu besichtigen, wie man das in einer Stadt hat. Adrian ist die ganze Zeit auf der „Läutsch“. Ihr solltet mal seine Augen sehen, wenn vom Maschinenraum gesprochen wird. Wie die funkeln. Schade bin ich nicht auch so eine Maschine, sonst würden seine Augen bei mir auch so funkeln :-). Er ist richtig auf Draht, weil er bis jetzt den Maschinenraum noch nicht gesehen hat. Aber er hat nun mit dem 2nd Ingenieur abgemacht und heute sollte es soweit sein und er darf endlich die Maschine anschauen gehen. Adrian wird dann mal noch über die Facts und Figures berichten (ich verstehe da zu wenig von der Technik :-)). Gestern hatten wir dann endlich noch die Einführung mit dem 2nd Offizier. Es ging vorallem um die Sicherheit auf dem Schiff und wie wir zu reagieren haben, falls wir das Schiff evakurieren müssten. Da hoffen wir mal, dass dies nicht passieren wird… Den 1. August haben wir zu viert „gefeiert“ mit Bier, Erdnüssen und Rittersport. Am späten Abend gesellte sich dann noch der Chief Ingenieur zu uns und erzählte uns einige Stories. Die Crew ist echt super und lässt uns an ihrem Alltag teilhaben und vorallem lässt sie uns sehr viel Freiheit, so dass wir überall alleine hingehen dürfen (ausser in den Maschinenraum). Gestern wurde für uns noch der Swimmingpool aufgefüllt mit Meerwasser. Zur Zeit ist es noch 30 Grad warm, aber schon bald wird es kälter und zum Teil nur noch 15 Grad. Also haben wir die Chance genutzt und haben den Pool ausprobiert. Er ist zwar recht klein (ca. 5 x 5m), aber er erfüllt seinen Zweck :-).
Heute (2. August) haben wir zum letzten Mal Land gesehen für die nächsten 10 Tage. Wir sind südlich an Japan vorbei gefahren und haben nun einen Ost-Kurs eingeschlagen.


Frachtschiff Technik

Da die Technik nicht so das Ding von Daniela ist, werde ich an dieser Stelle etwas über die Schiffstechnik und Fakten schreiben.
Die Hatsu Crystal (DDZH2) ist eines der mordernsten Frachtschiffe und wurde im Mai im Jahr 2006 fertiggebaut. Das Schiff ist 334m lang, 48,8m breit und 61,3m hoch. Wenn das Schiff voll beladen ist (8084 20 Fuss Container, davon 2871 im Bauch und 4213 an Deck), hat die Hatsu Crystal einen Tiefgang von 13m (Teil vom Schiff das unter Wasser ist). Zur Zeit sind wir mit etwa 3900 40 Fuss Container beladen und haben einen Tiefagang von etwa 11 Metern.
Das Schiff wiegt leer 33979 Tonnen und kann maximal 93720 Tonnen Fracht aufnehmen.
Angetrieben wird das Schiff von einem Sulzer12 Zylinder 2-Takt Reihenmotor mit einer Leistung von 68,2 KW (ca. 92000 PS). Momentan fahren wir mit ca. 80 U/min was etwa 60% Leistung entspricht (maximale Drehzahl 102 U/min), da wir so „nur“ 180t Brennstoff Öl pro Tag brauchen (bei voller Last, sind es ca. 300t Öl pro Tag). Diese Leistung entspricht 20 Knoten (ca. 37 km/h), maximale Geschwindigkeit des Schiffs ist 25,4 kt (47 km/h).
Die Schiffsschraube hat einen Durchmesser von 8,8m und ist mit 6 Blättern bestückt. Das bedeutet, dass die Schraubenspitzen bei maximaler Drehzahl (102 U/min -> 1,7 U/s) eine Umlaufgeschwindigkeit von 47 m/s (169.2 km/h) haben. An dieser Zahl lässt sich erahnen welche Kräfte die Hauptmaschine erzeugt. Weiter hat das Schiff einen Bugstrahler mit dem nach rechts oder links gestrahlt werden kann (für Hafenmanöver). Dieses Aggregat verbraucht im Betrieb 2500 kW.
Das Ruder des Frachtschiffes ist hinter der Schraube befestigt und wird durch zwei riesige Motoren (einer Aktiv der andere als Backup) betrieben. Das Ruder ist etwa 7m lang, 10m hoch und kann maximal zu 35° ausgeschlagen werden.
Im Rumpf der Schiffes befinden sich 5 MAN Dieselgeneratoren die zusammen eine maximale Leistung von 12,5 MW erzeugen. Die erzeugte Spannung beträgt 6,6 kV die danach in 440V / 60Hz und 230V / 60Hz transformiert wird. Auf See reicht im Moment ein Dieselgenerator aus der lediglich 1,4 MW generiert, da wir so gut wie keine Reefer(Kühlcontainer) geladen haben.
Damit Ladung, die gekühlt werden muss, ebenfalls versorgt wird, hat das Schiff die Möglichkeit bis zu 700 sogenannte „Reefer“ Container anzuschliessen . Jeder dieser 700 Container bezieht 440V / 60Hz und kann maximal 32A Strom ziehen.
Und nun noch ein paar Daten zu den Tanks. Der Brennstoff Öl Tank fasst 10376m3 (ca. 10,376 Millionen Liter). Bei einem täglichen Verbrauch von 180t könnten wir also ca. 57 Tage durchfahren. Der Dieselöl Tank fasst 420m3 (ca. 420000 Liter) und der Schmieröl Tank 674m3. Weiter gibt es einen Frischwasser Tank der ca. 412000 Liter fasst. Gefüllt wird dieser Tank von der boardeigenen Wasseraufbereitungsanlage die pro Tag etwa 30 Tonnen Frischwasser produziert. Unser momentaner Tagesverbrauch liegt bei 12t Frischwasser, also wird 18t pro Tag in die Tanks gespiesen. Um das Schiff zu Balancieren gibt es überall an Boad Ballast Tanks. Diese Tanks fassen zusammen 24905m3 Meerwasser.

Zurück zum Tagebuch

Heute ist schon der zweite 6. August. Eigentlich wäre schon der 7. August, aber da wir letzte Nacht die Datumsgrenze (ungefähr beim 180. Längengrad) überfahren haben, haben wir einen Tag gewonnen und dürfen somit diesen 6. August 2011 zum zweiten Mal erleben. Was einst Phileas Fogg (von Jules Verne) zum Gewinn seiner Wette brachte, brachte uns ein verlängertes Wochenende. Wobei bei unserem nichts-tun-leben kommt es nicht drauf an, ob es Wochenende ist oder nicht :-). Ihr könnt es euch vermutlich nicht vorstellen, aber uns war es noch keine Sekunde langweillig. Nach dem Morgenessen geniesse ich meistens noch mal ein paar Stunden Schlaf (um genau zu sein, meistens bis es wieder Mittagessen gibt). Somit verpasse ich auch oft die Kaffepausen (jeweils um 10 und 15Uhr) Adrian geht dann meistens auf Delfin- und Walbeobachtung. So habe ich schon einiges verpasst. Aber immer wenn ich mitgehe, sind die Tiere am Siesta machen. Aber egal, was mich mehr wurmt ist, dass ich klein-Leonies ersten Geburtstag verpasst habe :-(. Ich hoffe meine Gedanken an sie, sind angekommen und sie hatte einen wunderschönen 1. Geburtstag :-). In den letzten beiden Tagen war ich sogar etwas im Stress, weil ich ein Puzzle im Spielraum entdeckt hatte, welches ich natürlich nicht unangetastet lassen konnte. Und natürlich war ich jede Minute am zusammensetzen. Gestern hatte ich es fertig und nun habe ich wieder Zeit mein Buch über die chinesische Geschichte weiterzulesen (das Ziel wäre ja schon, diesen dicken Schinken auf Board zu lassen). Wir haben nun auch noch das Ping-Pong spielen entdeckt. Nach jeder Mahlzeit gibt es einige Spiele und Adrian wird immer besser, so dass ich langsam um meine Siege bangen muss :-).
Die Führung in den Maschinenraum war sehr interessant, und Adrian hat sein Wissen nun auf Fordermann gebracht. Für uns Mädels war es zwar interessant, doch können wir leider nicht all zu viel mit der Technik anfangen :-). Als wir uns von der „Führung“ ausklinken wollten, fanden wir nicht mal mehr den Weg zurück :-). So mussten wir dann doch noch warten, bis die Herren fertig waren.
Mit dem Essen sind wir auch immer noch sehr zufrieden. Ich lasse manchmal das Fleisch weg, und so esse ich viel Gemüse (so viel wie in meinen ganzen Leben nicht). Das Leben hat sich eingespielt. So treffen wir uns auch noch jeden Abend mit Sabrina und Markus. Dabei naschen wir viel Erdnüsse und verdrücken Rittersport. Meistens gesellte sich der Chief (Chef Ingineur) etwas später noch dazu. Die letzten beiden Abende verbrachten wir in der „Karaoke-Bar“. Nachdem wir (also vorallem Adrian) zum Kicker-Champion aufgestiegen sind, sind wir also auch noch viel am Jöggele. Gestern getraute ich mich sogar ein Lied zu singen (und sogar Adrian hatte es überlebt zuzuhören). Ihr sieht, wir geniessen unser Nichtstun in allen Zügen. Auch wenn es für uns Passagiere toll ist, können wir uns nun vorstellen wie hart es für die Seemänner ist. Zwar ist die Arbeit sicher nicht so streng wie auf dem Land, aber durch den 24 Stunden Betrieb und die lange Einsatzzeit auf See (jeweils zwischen 4-6 Monaten) und vorallem durch die beschränkten Freizeitaktivitäten, gestaltet sich das Leben für die Seemänner oft eintönig. Wir sind da eine nette Abwechslung wie sie uns zu verstehen geben. Doch der Kontakt zu den Philppinern beschränkt sich mehr oder weniger auf die Karaoke-Bar.
In der Zwischenzeit hatten wir auch noch eine „Test-Evakuierung“ und ein „Test-Brand“. Bei der Übung mussten wir uns die Schwimmweste überziehen und zum Treffpunkt speeden. Die Crew musste natürlich den Brand noch löschen und ihre Aufgaben in case of emergency durchgehen. Wir hoffen mal, dass es nicht zum Ernstfall kommen wird.
Am Sonntag hatten wir nach der Kaffeepause eine Verabredung mit dem Chief Engineer, er wollte uns zeigen, wie das Schiff gebaut wurde. Als wir um 10:30 Uhr in den Officer Recreation Room kamen, war die ganze Engine Crew bereits versammelt. Für alle Passagiere wurde ein A4 Blatt mit allen Schiffsdetails und den Unterschriften der Crew gestaltet. Mit so etwas hätten wir nie gerechnet, es war wirklich ein schöner Moment. Sie gaben uns dann auch noch zu verstehen, dass das spezielle sei, da wir uns so sehr für die Technik interessiert hätten. Danach gabs erst mal ein Glässchen Wein und dann startete der Film über den Zusammenbau eines Frachtschiffes. Als die Weinflasche leer war gings mit einem ersten Bier und kleinen Knabbereien weiter. Da ich am morgen das Frühstück ausgelassen hatte, war es etwas hart mit Wein und Bier in den Tag zu starten. Pünktlich zum Mittagessen war die kleine Party vorbei und wir gingen alle gut gesättigt zum Essen :-). Nach dem Essen warteten alle in der Karaoke-Bar auf uns, dort hörten wir den Karaoke-Sängern zu, spielten Tischfussball und tranken viel Bier. Um 4 Uhr verabschiedeten wir uns, da wir noch ein paar Minuten brauchten um wieder auf Vordermann zu kommen fürs Nachtessen. Nach dem Essen gönnten wir uns einen lockeren Abend in der Officer Bar und schauten den Film „In 80 Tagen um die Welt“. OK, es war nicht das Original sondern die Parodie mit Jackie Chan, aber es war ganz lustig.
Da wir fast jeden Tag die Uhr eine Stunde vorstellen müssen, fehlt uns (also vorallem mir) der Schlaf.
Die restlichen vier Tage vor dem Landgang in Los Angeles gestalteten sich im gleichen Stil wie die Tage zuvor. Wir freuten uns, als wir wieder mal Land in Sicht bekamen. Da wir für die Einreise mitten in der Nacht wach sein mussten (wegen den Einreisebehörden) hielten wir uns mit einem James Bond wach. Und da verpassten wir doch fast die Einfahrt in den Hafen von Los Angeles. Die letzten 30 Minuten haben wir dann aber doch noch miterlebt. Kaum waren wir Dingfest, kamen auch schon die Zollbeamten an Board. Wir wurden mehrmals vom Kapitän gewahrnt, dass dies eine mühsame Prozedur ist und Stunden dauern kann. Bedenken hatte der Kapitän vorallem wegen Adrians Saudi Visum :-). Es ging aber ruckzuck und nach einer Stunde waren wir durch und alle vier durften einreisen :-). Da der Chief (der inzwischen jeden Abend mit uns verbracht hatte) in Los Angeles seinen Dienst fertig hatte, gab es noch ein Abschluss-Bierchen. Der Abschied ist auf beiden Seiten nicht leicht gefallen. Er hatte uns soooo viel über die Schifffahrt und das Leben als Seemann sowie natürlich auch technische Details über die Maschine erzählt und er hingegen schätzte unsere Anwesenheit, damit er wieder mal Gesellschaft hatte.

Landgang Los Angeles 12. – 14. August
Da wir vier Passagiere mehr oder weniger das selbe Programm in Los Angeles hatten, machten wir die Ausflüge gemeinsam. Unser erster Tag auf dem amerikanischen Boden verbrachten wir im Universal Studio. Da wir bereits um 7 Uhr loszottelten, hatten wir nur wenig Schlaf intus. Ob wir wohl nach 2 Wochen auf dem ruhigen Pazifik wieder dem schnellen Stadtrythmus folgen können?
Nachdem wir auf dem Schiff ausgecheckt haben, machten wir uns zur Shuttle Bus Station. Bereits nach einigen Metern wurden wir von einem Hafenmitarbeiter angesprochen, weil wir keine Leuchtwesten trugen. (Er war aber sehr höflich und meinte nur, dass wir beim nächsten mal von jemanden begleitet werden sollten, der eine Weste trug. In den folgenden Tagen, trugen wir dann selber eine). Innert Kürze holte uns der Shuttle Bus ab und setzte uns beim Gate ab. Der Security-Mann bestellte uns ein Taxi, damit wir zum Long Beach kamen, damit wir von dort die Metro zum Universal Studio nehmen konnten. Die ganze Fahrt von Schiff bis Universal Studio dauerte drei Stunden. Angekommen, mussten wir uns natürlich zuerst ein mal Verpflegen und das machten wir auf die amerikanische Weise: Croissant mit Ei, Speck, Käse und dazu Rösti. Gut genährt machten wir uns nun auf den Weg, um all die Attraktionen anzuschauen. Nach den Massen Chinesen haben wir nun die Massen Amerikaner getroffen. (Massen hat eine zweideutige Bedeutung :-)) Das schöne ist aber, dass beim Anstehen niemand (ok fast niemand) mehr drängelt. Und mit relativ humanen Wartezeiten konnten wir alles sehen, was wir wollten. Beim Anstehen merkte ich das schaukeln. Zuerst dachte ich es sei mir schwindlig aber plötzlich realisierte ich, dass es der Schaukelrythmus vom Schiff ist. Das Wetter war optimal. Die Sonne war da, aber die Temperaturen war angenehm.Wir hatten die Californische Sonne etwas anders erwartet. Nach einem langen und anstrengenden Tag machten wir uns wieder auf den langen Rückweg zum Schiff. Der dauerte noch länger, da die Metro Wartungsarbeiten durchführte und wir noch für ein Zwischenstück auf einen Bus umsteigen mussten. Beim Gate angekommen, konnte uns der Security-Mann nicht auf einer Liste finden, so hatten wir etwas Mühe, wieder ins Hafengelände zu kommen. Doch er bemühte sich sehr und wir durften dann doch noch rein. So waren wir gegen Mitternacht wieder auf dem Schiff und es fühlte sich an, wie wenn man nach Hause kommt.
Am Samstag machten wir einen etwas gemütlicherer Tag. Wir haben das Schiff erst nach dem Frühstück verlassen und machten uns wieder auf den langen Weg Richtung Hollywood. Wir waren etwas enttäsucht vom Walk of Fame und der Umgebung. Irgendwie fehlte der Glanz. Unser Ziel war neben dem Walk of Fame allerdings heute zu einem Navi und einer Internetkarte zu kommen. Nach einigen Kilometern laufen, hatten wir auch beides in der Tasche. Doch beim Navi, welches wir in einem kleinen Electronic Shop gekauft hatten, merkten wir nun in der Zwischenzeit, dass er uns übers Ohr gehauen hat. In China hätten wir nie in einem solchen Laden eingekauft, da wir dort mit gefeakten Waren rechnen, doch in den USA… Zwar war es „echt“ aber es war bereits gebraucht und nicht die neuste Version und nicht mit Weltkarte, so wie der gute Verkäufer uns erzählt hat. In einer Woche werden wir ja nochmals in Los Angeles sein und wenn wir Zeit haben, dann wird der gute Herr uns nochmals sehen. Doch er war natürlich super gescheit und hat uns weder die Verpackung noch die Quittung mitgegeben. Nun wissen wir natürlich auch warum.
Um 17 Uhr haben wir uns wieder mit Sabrina und Markus getroffen, um gemeinsam nach Long Beach zu fahren, wo wir gemütlich und super gut assen, direkt am Pier mit Blick auf die Queen Mary, welche dort stationiert ist. Auf dem Weg zum Restaurant fragten wir noch einen Taxifahrer, wie viel eine Fahrt zum Disneyland in etwa kostet. Mit dem Bus hätten wir erneut ca. drei Stunden rechnen müssen und mit dem Taxi nur etwa 45min. Da er 50$ offerierte, fragten wir ihn gleich, ob wir ihn nicht gleich für den nächsten Morgen bestellen können. Er meinte, wir sollen ihn am Morgen eine Stunde vor Abfahrt kontaktieren. Da wir uns nun für das Taxi entschieden haben, konnten wir am Sonntag auch noch auf dem Schiff frühstücken. Nach dem Frühstück stellten wir uns noch kurz dem neuen Kapitän vor. Im Gegensatz zum vorherigen Kapitän, sprach der wie ein Buch, er kommt kaum zum Luft holen…
Das Taxi haben wir auf 8.45 bestellt. Doch es kam und kam nicht. Nach mehrmaligen anrufen traf er dann um 9.30 ein. Natürlich ist die Orientierung auf dem Hafengelände nicht ganz einfach, aber er hätte ja genügend Zeit gehabt um es abzuklären. Und der Gipfel war noch, dass er Adrian die Schuld gab, weil er den Weg falsch beschrieben hatte am Telefon. Trotz dem ärgerlichen Start freuten wir uns aber auf das Disneyland. Da der Taxifahrer meinte, dass er uns am Abend auch wieder holen könnte (obwohl es nicht erlaubt ist, weil es ein anderer Bezirk war), und die Taxis von diesem Bezirk viel teurer waren, machten wir mal pro forma ab und wir sollten uns auch wieder eine Stunde vorher melden. Ihr ahnt schon … 🙂 aber dazu später mehr…
Irgendwie hatte ich mir das Disneyland etwas anders vorgestellt. Etwas pompöser und mehr Märchenhafter. Es fehlte auch hier wieder der „WAU-Effekt“. Die Bahnen waren auch nicht wirklich der Knüller. Mein Highlight war das Treffen mit Mickey Mouse. Dafür mussten wir eine halbe Stunde anstehen :-). Aber so können wir sagen, dass wir wenigstens einen Film-Star getroffen haben :-). Ok bei Brad wäre ich natürlich auch eine Stunde angestanden… Da wir allerspätestens um 2 Uhr Nachts wieder auf dem Schiff sein mussten, warteten wir noch auf die Nachtparade auf dem See und das Feuerwerk. Das war echt eindrücklich und ich bin ja sonst kein Feuerwerk-Fan, aber das war echt Spitze. Anschliessend machten wir uns mit hunderten von Leuten Richtung Ausgang. Beim verabredeten Restaurant warteten wir auf unseren Taxifahrer (wir hatten per SMS die Bestätigung bekommen, dass er uns abholen kommt). Mit 5 Minuten Verspätung lenkte ein Taxi auf den Parkplatz. Einige Leute waren bereits am einsteigen, als wir etwas näher gingen, um zu schauen, ob es unser Taxifahrer ist. Da fragte der Fahrer uns, ob wir ein Taxi wollen. Als wir erkannten, dass es nicht unser Fahrer ist, sagten wir, dass wir bereits eines bestellt haben und auf ihn warten. Dann fragte er wohin wir wollen, dann meinte er dass sein Kollege ihn beauftragt hat, uns abzuholen. Die anderen Passagiere mussten dann wieder aussteigen. Kaum war er abgefahren, vermuteten wir gleich, dass er uns jetzt verarscht hat und uns wegen der langen Distanz den anderen Passagieren vorgezogen hat. Nach 10 Minuten erhielt Adrian auch ein SMS vom anderen Fahrer, der nun beim Treffpunkt auf uns wartete… Natürlich hatten wir ein total schlechtes Gewissen, aber wir konnten ja nichts dafür. Mehr gestresst hat uns, dass wir wieder über den Tisch gezogen wurden, wie so dumme naive Touristen. Ok, wenn der andere pünktlich gewesen wäre, wäre das auch nicht passiert. Ich hätte wirklich so gerne dem Taxifahrer noch gesagt, dass dies voll daneben ist, aber man weiss ja nie wie sie reagieren… Er hat dann halt eben kein Trinkgeld bekommen. In Ägypten oder China hätte ich ja nichts anderes erwartet, aber in den USA? Ok jetzt wissen wir es und sind nun vorsichtig.

Letzte Stunden auf dem Schiff
Heute ist bereits der 15. August und wir verbringen den letzten Tag auf dem Schiff. Wir haben bereits über die Hälfte der Reise hinter uns. Die Überfahrt auf dem Pazifik war super genial, aber das lag auch vorallem daran, dass wir eine gute Crew hatten, und es auch mit den anderen beiden Passagieren super getroffen hatten. Wir werden dass Leben auf dem Schiff vermissen und nun herrscht dann bald wieder ein anderer Rythmus auf dem Land (vorallem was die körperliche Betätigungen angeht). Aber das ist auch gut so, denn mein Körper hat sich zu sehr an das viele Schlafen und das nichts-tun gewöhnt, so dass ich richtig schlapp bin.
In der Nacht werden wir unter der Golden Gate Bridge durch fahren. Natürlich stellen wir den Wecker und hoffen auf einen Sonnenaufgang Morgens um halb 6 :-). Nach dem Frühstück werden wir dann von Board gehen und zwei Tage in San Francisco verbringen, bevor es mit dem Auto entlang der West Küste geht.
Die Überfahrt wird uns in bleibender Erinnerung bleiben auch wenn wir viele unschöne Seiten der Schifffahrt erzählt bekommen haben. So herrscht eben doch eine zwei Klassengesellschaft auf dem Schiff. Das Verständnis für verschiedene Kulturen auf Board scheint irgendwie über Board gegangen zu sein (aber dazu scheint es kein Rettungsring zu geben) und das Mistrauen unter der Besatzung ist gross. Ebenso ist die Korruption weit verbreitet in den Häfen. So musste der Kapitän z.B. In China für unsere Namen 2 Stangen Zigaretten „bezahlen“. Weil in den Schweizer Pässen am Schluss jeweils ein Punkt steht als Zeichen für das Namenende und der Kapitän dies nicht auf der Crewliste vermerkt hat, hatten die chinesischen Behörden dies nicht akzeptieren wollen. Dies ist natürlich nur ein kleines Beispiel aber die Geschichten, die wir zu hören bekommen haben waren zum Teil fürchterlich. Aber nichts desto trotz als Passagier lässt es sich hervorragend Leben und wir empfehlen es weiterre! Wir hatten allerdings auch Glück mit dem Wetter und hatten nie hohen Wellengang, so dass wir auch nicht Gefahr laufen konnten Seekrank zu werden.

Anzahl Reisetage: 20

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